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Das Ticket ist die Währung

Von "Ideenwettbewerb 30 Jahre Aichfeldbus"

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In Curitiba, Brasilien, veränderte ein Bürgermeister in den 1970er Jahren seine Stadt mit einer einzigen Idee: Das Busticket ist nicht das Ende einer Transaktion. Es ist der Anfang einer anderen.

Einwohner aus einkommensschwachen Vierteln tauschten Recyclingmaterial gegen Bustickets – und damit Abfall gegen Mobilität. Die Tickets brachten Arbeitnehmer zu Arbeitsplätzen ausserhalb ihrer unmittelbaren Umgebung. Wenig frequentierte Linien wurden plötzlich ausgelastet. Menschen, die vorher keine Perspektive ausserhalb ihres Viertels hatten, fanden Arbeit. Eine Stadt, die sich selbst am Laufen hielt – mit einem Stück Papier als Achse.

Die Idee für das Aichfeld: Das Busticket wird Zahlungsmittel. Nicht ein abgeleitetes Punktesystem, kein App-Bonus, kein Treueprogramm mit Verfallsdatum. Das Ticket selbst – physisch oder digital – gilt als Währung in den fünf Gemeinden. Beim Bäcker in Knittelfeld. Im Kino in Judenburg. Am Markt in Zeltweg. Am Sportplatz in Spielberg. Beim Wochenmarkt in Fohnsdorf.

Das Ticket ist Fahrschein oder Zahlungsmittel – je nach Situation.

Die Logik: Händler, die mitmachen, werden auf den Busanzeigen als Partner sichtbar. Der Aichfeldbus wird zur Zentralbank einer regionalen Mikroökonomie. Mobilität und lokale Wirtschaft sind plötzlich dasselbe.

Das Versprechen: Wer auf das Auto verzichtet, verliert nichts. Er gewinnt eine Währung, die nur hier gilt – und genau deshalb hier alles zusammenhält.

Curitiba hat es bewiesen. Das Aichfeld ist kleiner. Aber Ideen brauchen keine Mindestgrösse.

Kommentare(3)

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Profil von Dobbert Frank
Gepostet von:Dobbert Frank
vor 3 Wochen
Warum sollte man das Ticket als neue Währung einsetzen, für die Zwecke kann man auch die alte Währung, d.h. den Euro einsetzen, dies spart eine Menge Logistik. Praktikabel sieht es auch ein wenig schwierig aus, man bringt sein Glas, Plaste und Altmetall zum Busfahrer, der muss deren Wert erst mal bestimmen, dann irgendwo deponieren und dann die Bustickets ausgeben, dies dauert schon eine Weile pro Fahrgast. Nehmen wir mal die klassischen Pfandpreise für Kunststoffflaschen 25 Cent pro Flasche, dann braucht man für eine einfache Fahrt für 3,30 Euro schon 14 Pfandflaschen, oft fahren kann man dann wahrscheinlich nicht. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass dies in Curitiba auch nachhaltig funktioniert hat, viel findet man darüber nicht im Internet.
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Lieber Stefan Fischer, vielen Dank für deine Idee! Wie genau soll das mit der Währung funktionieren? Ich kenne das System aus Curitiba leider nicht. Tauscht man dann das Öffi-Ticket gegen beispielsweise Lebensmittel? Ich finde den Ansatz spannend! :) Liebe Grüße Katharina
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Liebe Katharina, gerne erkläre ich das etwas genauer! In Curitiba funktionierte es so: Bewohner ärmerer Stadtteile brachten Recyclingmaterial – Plastik, Glas, Papier – zu Sammelstellen und erhielten dafür Bustickets. Mit diesen Tickets fuhren sie zur Arbeit, in andere Stadtteile, zu Märkten. Und entscheidend: Die Tickets waren frei handelbar. Wer sie nicht selbst brauchte, konnte sie verkaufen oder tauschen – gegen Lebensmittel, Dienstleistungen, was auch immer gebraucht wurde. Das Ticket war echtes Geld. Der Bus wurde damit gleichzeitig Sozialprogramm, Umweltmassnahme und Wirtschaftsmotor. Für das Aichfeld denke ich das ähnlich: Das Ticket, das man kauft, muss man nicht zwingend zum Fahren verwenden. Man kann es beim Bäcker als Zahlungsmittel einsetzen, im Kino, am Markt – überall dort, wo Händler mitmachen. Oder man gibt es weiter, verschenkt es, tauscht es. Es zirkuliert – wie eine Währung eben. Liebe Grüsse Stefan
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